Das Bild „Gott schuf Himmel und Erde“ – gemalt mit Aquarellfarben auf Transparentpapier – wirkt wie eine poetische Visualisierung des Anfangs der Schöpfung, inspiriert von Genesis 1,2: „Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“ Die zentrale gelb-orange Sonne oder Sphäre oben könnte den göttlichen Ursprung symbolisieren – ein Licht, das sich in der Dunkelheit formt, noch nicht ganz entfaltet, aber bereits strahlend und segmentiert wie ein kosmisches Auge oder ein Herz der Schöpfung. Die beiden symmetrischen, tentakelartigen Formen, die sich von dieser Sphäre herabsenken, erinnern an den „Geist Gottes“, der sich über die Wasser bewegt – nicht als menschliche Gestalt, sondern als lebendige, pulsierende Energie, die sich in die Tiefe ausstreckt.

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Gott schuf Himmel und Erde

Die dunklen Wellen darunter, durchzogen von violetten und pinken Formen, könnten die „Tiefe“ darstellen – das Chaos, die Urflut, das noch ungeordnete Element, das auf die Berührung des Geistes wartet. Die Farben sind nicht düster, sondern lebendig, was darauf hindeutet, dass selbst im Zustand der „Wüstheit und Leere“ bereits Potenzial und Bewegung vorhanden sind. Die violetten Segel- oder Flossenformen wirken wie embryonale Strukturen, als würde sich aus dem Chaos bereits etwas formen – vielleicht die ersten Andeutungen von Leben, von Ordnung, von Schönheit.

Die Komposition ist nicht statisch, sondern voller Dynamik: Linien, die sich winden, Farben, die sich überlagern, Formen, die sich spiegeln. Es ist, als würde der Moment eingefangen, in dem das Chaos beginnt, sich zu ordnen – nicht durch Gewalt, sondern durch eine sanfte, schöpferische Berührung. Die Bildsprache ist nicht dogmatisch, sondern offen, fast träumerisch. Sie lädt dazu ein, die Schöpfung nicht als abgeschlossenen Akt zu sehen, sondern als fortlaufenden Prozess, als Tanz zwischen Licht und Tiefe, zwischen Geist und Materie.

In dieser Deutung wird Genesis 1,2 nicht als düstere Vorstufe verstanden, sondern als ein Moment voller Erwartung, voller schöpferischer Spannung. Das Bild scheint zu sagen: Die Tiefe ist nicht leer, sie ist bereit. Der Geist ist nicht fern, er ist bereits da – tastend, schwebend, liebkosend. Es ist ein Bild der Hoffnung, der Bewegung, der Verwandlung.