Rainer Maria Rilkes Gedicht „Das Volkslied“, zuerst in „Wegwarten“ veröffentlicht und später in das Zyklusgefüge des „Larenopfer“ aufgenommen, gehört zu jenen frühen Texten, in denen er das Schlichte, Überlieferte und Unprätentiöse des Volksliedtons mit seiner eigenen, bereits unverkennbaren Innerlichkeit verschmilzt. Der Dichter greift hier nicht das Volkslied als historische Form auf, sondern als seelische Haltung: als etwas, das aus einer stillen, beinahe scheuen Innigkeit entsteht, aus einer Stimme, die sich selbst nicht aufdrängt, sondern aus dem Alltag heraus zu klingen beginnt. Dieses Gedicht wirkt wie ein kleines Gefäß, in dem sich Nähe, Zartheit und ein Hauch von Melancholie sammeln — ein Moment, in dem das Persönliche und das Allgemeine ineinander übergehen.

Das Volkslied.

(Nach einer Carton-Skizze des Herrn Liebscher.)

Es legt dem Burschen auf die Stirne
Die Hand der Genius so lind,
Dass mit des Liedes Silberzwirne
Er seiner Liebsten Herz umspinnt.

Da mag der Bursch sich süss erinnern,
Was aus der Mutter Mund ihm scholl,
Und mit dem Klang aus seinem Innern
Füllt er sich seine Fiedel voll.

Die Liebe und der Heimat Schöne
Drückt ihm den Bogen in die Hand,
Und leise rieseln seine Töne
Wie Blütenregen in das Land.

Und grosse Dichter, ruhmberauschte,
Dem schlichten Liede lauschen sie,
So gläubig wie das Volk einst lauschte
Dem Gotteswort des Sinai.

Dieser Text ist Gemeinfrei.

Es lässt sich ein feiner, poetischer Bogen zur Grußkarte „Mädchen mit viel Herz“ schlagen. Die junge Frau mit dem großen Hut, geschmückt mit vier zarten Herzen aus Seidengarn, trägt eine ähnliche Stimmung in sich wie Rilkes Gedicht: eine stille Symbolik, die nicht laut erklärt, sondern leise andeutet. Die Herzen wirken wie kleine, textile Volkslieder — handgemacht, schlicht, aber voller Gefühl. Sie stehen für jene innere Fülle, die Rilke im Volkslied suchte: ein Reichtum, der nicht prunkvoll auftritt, sondern im Unscheinbaren wohnt. Das Mädchen mit dem Hut könnte fast eine Figur aus Rilkes frühen Prager Jahren sein, eine Gestalt, die das Alltägliche mit einem Hauch von seelischer Überhöhung trägt. So wie das Gedicht eine einfache Form mit innerer Tiefe auflädt, so verwandeln die vier Seidenherzen ein alltägliches Motiv in ein kleines Ritual der Zärtlichkeit.

Beide — Gedicht und Grußkarte — teilen diese besondere Mischung aus Schlichtheit und Symbolkraft. Sie sprechen aus einer Welt, in der das Leise mehr sagt als das Laute, und in der ein kleines Zeichen, ein Herz aus Faden oder ein Volksliedvers, die ganze innere Bewegung eines Menschen tragen kann.

Angaben zur Grußkarte:
Designerkarte, Designer Karte, Grafik, Kunst, Fadenbild, Fadengrafik, kunstvoll, exklusive Faltkarte, Faltkarte, Grußkarte, Fadentechnik, moderne Kunst, Design, Tafelbild, Hut, Mädchen, Rot, Herz,Titel: Mädchen mit viel Herz
Größe (B x H): ca. 10,5 x 14,8 cm
Ausstattung: Faltkarte: innen mit Leinenpapier (Möglichkeit eines persönlichen Grußes und ähnliches), weißer Briefumschlag aus Leinenpapier
1. Auflage: April 2025

Materialverwendung und Herkunft (sofern ermittelbar):
Fäden allesamt aus 100% Seide (vermutlich Made in Germany), Karte aus 200g/m2 (Made in Austria)


Quelle:
René Maria Rilke: Wegwarten (1), Selbstverlag, S. 5