Seit Jahren hatte ich mit Fäden gearbeitet, kunstvoll Segelschiffe auf Grußkarten gestickt, doch nie war mein Herz ganz zufrieden gewesen. Die Linien waren korrekt, die Farben harmonisch – und doch fehlte etwas. Etwas, das nicht greifbar war. Etwas Göttliches.
Dann kam der Moment, der alles veränderte: ein Geschenk, unscheinbar verpackt, enthielt ein großformatiges Foto vom Meer. Die Wellen schimmerten silbern, der Horizont war weit und leer – und in diesem Moment wusste ich, dass ein neuer Versuch bevorstand. Kein gewöhnliches Schiff sollte entstehen. Es sollte ein Symbol werden. Ein Ruf.
Boote und Schiffe – seit Jahrhunderten tragen sie in der Kunst die Sehnsucht nach dem Jenseits, nach dem Göttlichen. Doch in der Literatur? Seltener. Bis ich auf Rainer Maria Rilkes Gedicht stieß:

Du bist die Zukunft, großes Morgenrot

Du bist die Zukunft, großes Morgenrot
über den Ebenen der Ewigkeit.
Du bist der Hahnschrei nach der Nacht der Zeit,
der Tau, die Morgenmette und die Maid,
der fremde Mann, die Mutter und der Tod.

Du bist die sich verwandelnde Gestalt,
die immer einsam aus dem Schicksal ragt,
die unbejubelt bleibt und unbeklagt
und unbeschrieben wie ein wilder Wald.

Du bist der Dinge tiefer Inbegriff,
der seines Wesens letztes Wort verschweigt
und sich den andern immer anders zeigt:
dem Schiff als Küste und dem Land als Schiff.

Dieser Text ist gemeinfrei.

Diese Worte brannten sich in meine Gedanken wie ein Leuchtfeuer. Das Schiff war nicht nur ein Schiff. Es war Verwandlung. Es war Zukunft. Es war das Morgenrot, das sich über die Ebenen der Ewigkeit spannte.
Ich griff zu Nadel und Faden, doch diesmal war es anders. Jeder Stich war ein Gebet, jeder Faden ein Windhauch, der das weiße Segelschiff vorantrieb – hinaus auf ein Meer, das nicht nur aus Wasser bestand, sondern aus Erinnerung, Hoffnung und dem stillen Wissen, dass das Göttliche manchmal in den einfachsten Dingen wohnt.
Und so entstand die Karte. Kein Kunstwerk im klassischen Sinn. Sondern ein Fenster. Ein Blick auf das, was jenseits liegt.

Als Hintergrund der Grußkarte diente mir die „Seestudie“, die ich etwas überarbeitete, von Fritz Overbeck.

Angaben zur Grußkarte:
Designerkarte, Designer Karte, Grafik, Kunst, Fadenbild, Fadengrafik, kunstvoll, exklusive Faltkarte, Faltkarte, Grußkarte, Fadentechnik, moderne Kunst, Design, Boot, Schiff, Meer,Titel: Weißes Segelschiff
Größe (B x H): ca. 10,5 x 14,8 cm
Ausstattung: Faltkarte: innen mit Leinenpapier (Möglichkeit eines persönlichen Grußes und ähnliches), weißer Briefumschlag aus Leinenpapier
Auflage: Juli 2025

Materialverwendung und Herkunft (sofern ermittelbar):
Fäden allesamt aus 100% Seide (vermutlich Made in Germany), Karte aus 200g/m2 (Made in Austria), 


Quelle:
Rainer Maria Rilke: Das Stunden-Buch. Das Buch von der Pilgerschaft, Insel Verlag, Leipzig 1918, S. 69 f.