Als das „Boston Female Asylum for Orphan Girls“ (deutsch: Bostoner Frauenasyl für Waisenmädchen) im Jahr 1800 gegründet wurde, befand sich Boston in einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Die junge amerikanische Republik war politisch stabiler geworden, doch die sozialen Strukturen hinkten hinterher. Besonders Waisenmädchen waren gefährdet: Sie hatten kaum Rechte, keine familiäre Absicherung und waren häufig Armut, Ausbeutung oder Obdachlosigkeit ausgeliefert.
Vor diesem Hintergrund gründeten engagierte Bürgerinnen und Bürger das Boston Female Asylum, um „weibliche Waisen zu schützen, zu erziehen und zu begleiten“ – so beschreibt es ein späterer Bericht der Institution. Die Gründung wird in historischen Archiven auf das Jahr 1800 datiert, während die offizielle Incorporation im Jahr 1803 erfolgte. Als erste Leiterin wird Hannah Stillman genannt, eine Frau, die sich früh für soziale Fürsorge einsetzte und damit zu den prägenden Gestalten der Einrichtung gehörte.
Das Asyl nahm Mädchen im Alter von etwa drei bis zehn Jahren auf und vermittelte sie später in „respektable Familien“, wie es in den damaligen Dokumenten heißt. Die Einrichtung war eine der ersten ihrer Art in Boston – zu einer Zeit, in der es außer dem Armenhaus kaum öffentliche Hilfsangebote gab.
Die archivalischen Bestände zeigen, dass das Asyl nicht nur Unterkunft bot, sondern auch Bildung, moralische Unterweisung und eine Form von Stabilität, die vielen dieser Mädchen sonst verwehrt geblieben wäre. Die frühen Unterlagen dokumentieren Spendenlisten, Berichte über die Lebensumstände der Kinder und die Bemühungen, ihnen eine Zukunft zu ermöglichen.

Der Anlass für die Gründung war eindeutig: Es gab keinen sicheren Ort für Mädchen, die ihre Eltern verloren hatten.
Die Gründerinnen und Gründer reagierten damit auf eine soziale Notlage, die im Boston des frühen 19. Jahrhunderts besonders sichtbar war:

  • Armut und Krankheit führten häufig zu frühen Todesfällen.
  • Mädchen waren stärker gefährdet als Jungen, da sie weniger Ausbildungswege hatten.
  • Ohne Schutz waren sie oft der Willkür von Arbeitgebern oder fremden Haushalten ausgeliefert.

Das Asyl war somit ein Akt der Fürsorge und des sozialen Gewissens – getragen von Frauen, die Verantwortung übernahmen, lange bevor soziale Arbeit ein professionelles Feld wurde.

Die Grußkarte „Sei gesegnet“ trägt eine Botschaft, die sich erstaunlich gut mit dem Geist des Boston Female Asylum verbindet. Die Karte spricht einen Segen, der nicht an Bedingungen geknüpft ist. Ein Segen, der sagt: Du bist gesehen. Du bist wertvoll. Du bist behütet.
Genau das war die innere Haltung, die die Gründerinnen des Asyls leitete. Sie wollten Mädchen, die alles verloren hatten, einen Ort schenken, an dem sie nicht nur versorgt, sondern gesegnet waren – im Sinne von Schutz, Würde und Zukunft.
So entsteht eine stille Verbindung zwischen der künstlerischen Arbeit und der historischen Einrichtung: Beide schenken Zuwendung, beide sprechen Würde aus, beide schaffen Räume der Geborgenheit.


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