Als ich mich an die Grußkarte „Herz auf Siegel“ setzte, war mir nicht klar, wohin mich diese Reise führen würde. Es begann mit dem Hohelied – jenem biblischen Text, der zwischen Sehnsucht und Hingabe oszilliert, zwischen dem Sichtbaren und dem Geheimnisvollen. Worte, die wie Liebesbriefe zwischen Himmel und Erde klingen, öffneten mir ein Tor zu einer inneren Landschaft, die ich zuvor kaum betreten hatte.
Auf der Suche nach einem poetischen Echo stieß ich auf Rainer Maria Rilkes Verse: Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen“.
Diese Zeilen berührten mich wie ein leiser Windhauch, der etwas in Bewegung setzt, ohne es zu benennen. Rainer Maria Rilke spricht von einer Gestalt, die sich dem Zugriff entzieht – einer Heiligen, einer Sehnsucht, vielleicht auch einem göttlichen Du. Seine Worte bauen Mauern aus Bildern, und doch ist es das Herz, das sieht, was die Hände zu verbergen suchen.
„Herz auf Siegel“ wurde für mich zu einem Versuch, das Unsagbare zu berühren. Es ist ein Bild, das nicht gemalt, sondern empfunden werden will. Ein Siegel, das nicht verschließt, sondern bewahrt. Vielleicht ist es genau das, was Spiritualität ausmacht: nicht das Wissen, sondern das Staunen. Nicht das Greifen, sondern das Öffnen.

Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen

Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen,
du Dämmernde, aus der der Morgen stieg.
Wir holen aus den alten Farbenschalen
die gleichen Striche und die gleichen Strahlen,
mit denen dich der Heilige verschwieg.

Wir bauen Bilder vor dir auf wie Wände;
so daß schon tausend Mauern um dich stehn.
Denn dich verhüllen unsre frommen Hände,
sooft dich unsre Herzen offen sehn.

Dieser Text ist gemeinfrei.

Angaben zur Grußkarte:
Designerkarte, Designer Karte, Grafik, Kunst, Fadenbild, Fadengrafik, kunstvoll, exklusive Faltkarte, Faltkarte, Grußkarte, Fadentechnik, moderne Kunst, Design, Herz, Buch, Siegel, altes Buch, antikes BuchTitel: Herz auf Siegel
Größe (B x H): ca. 10,5 x 14,8 cm
Ausstattung: Faltkarte: innen mit Leinenpapier (Möglichkeit eines persönlichen Grußes und ähnliches), weißer Briefumschlag aus Leinenpapier
1. Auflage: August 2025

Materialverwendung und Herkunft (sofern ermittelbar):
Fäden allesamt aus 100% Seide (vermutlich Made in Germany), Karte aus 200g/m2 (Made in Austria), 


Quelle:
Rainer Maria Rilke: Das Stunden-Buch. Das Buch vom mönchischen Leben, Insel Verlag, Leipzig 1918, S. 8