Wenn der Winter noch in den Ästen ruht und die Welt in gedämpftem Licht verharrt, beginnt für mich eine stille Zeit der Vorfreude: Der 4. Dezember – der Gedenktag der Heiligen Barbara – kündigt etwas Zartes an. Ein uralter Brauch besagt, dass man an diesem Tag Kirschzweige ins Wasser stellt. Und wenn sie zu Weihnachten blühen, ist das ein Zeichen der Hoffnung.
Diese zarten Blüten, die sich gegen die Kälte behaupten, erinnern mich an Rainer Maria Rilke – geboren am 4. Dezember 1875 in Prag. Seine Worte tragen dieselbe feine Kraft wie die Kirschblüten: still, aber durchdringend.
Rainer Maria Rilke verbrachte eine prägende Zeit in der Künstlerkolonie Worpswede. Dort begegnete er Heinrich Vogeler, einem Maler und Gestalter, dessen Werk Frühlingshecken im Bauerngarten (1913) Inspiration zum Titelbild einer besonderen Grußkarte ziert. Es ist ein Bild, das den Frühling nicht nur zeigt, sondern ihn spürbar macht – wie ein leiser Windhauch, der durch die Zweige fährt.
Ein Frühling, der zaghaft bleibt. Ein Sommer, der fiebert. Kirschbäume, die kranken – und doch ein Herbst, der keinen Hass kennt. Rainer Maria Rilke malt mit Worten, was Heinrich Vogeler mit Farben einfängt: eine Welt zwischen Stadt und Natur, zwischen Sehnsucht und Stille.
Diese Stimmung lebt weiter in der Grußkarte Kirschblüten am Ast. Leinenpapier, Seidenfäden und einem Hauch von Perlmutt erzählt sie von Vergänglichkeit und Schönheit.
Das ist dort, wo die letzten Hütten sind
Das ist dort, wo die letzten Hütten sind
und hohe Häuser, die mit engen Brüsten
sich drängen aus den grauen Baugerüsten
und schauen wollen, wo das Feld beginnt.
Dort bleibt der Frühling immer bang und blass,
der Sommer fiebert hinter diesen Planken;
die Kirschbäume und die Kinder kranken,
und nur der Herbst hat dorten keinen Hass.
Und seine Abende sind manchesmal
windschwingenstill und schön in ihrem Schmelze:
Die Schafe schimmern und der Hirt im Pelze
lehnt lauschend an dem letzten Lampenpfahl. –
Dieser Text von Rainer Maria Rilke ist gemeinfrei.
Angaben zur Grußkarte:
Titel: Kirschblüten am Ast
Größe (B x H): ca. 10,5 x 14,8 cm
Ausstattung: Faltkarte: innen mit Leinenpapier (Möglichkeit eines persönlichen Grußes und ähnliches), weißer Briefumschlag aus Leinenpapier
1. Auflage: Januar 2025
Materialverwendung und Herkunft (sofern ermittelbar):
Fäden allesamt aus 100% Seide (vermutlich Made in Germany), Karte aus 200g/m2 (Made in Austria),
Quelle:
Rainer Maria Rilke: Mir zur Feier, verlegt bei Georg Heinrich Meyer – Berlin 1899, S. 45