Meine ersten Schritte in der Malerei waren geometrisch. Rechtecke, Kreise, Dreiecke – alles, was man mit einem Lineal und einem Rest Schulfrust aufs Papier bringen konnte. Dann kam der Surrealismus. Nicht, weil ich Salvador Dalí heimlich verehre oder nachts von schmelzenden Uhren träume, sondern weil mein kreatives Chaos einfach keine Lust auf gerade Linien hatte.
Und dann – wie aus dem Nichts – stand das Thema „Empfängnis“ im Raum. Nicht die biologische, sondern die theologisch hochkomplexe Variante: Maria, der Heilige Geist und ein Baby, das später die Welt retten wird. Ich gebe zu, mein naturwissenschaftlich geschultes Hirn hat da kurz gestreikt. Aber hey, Kunst darf ja alles, sogar das Unwahrscheinliche glaubhaft machen.
Rainer Maria Rilke hat das Ganze natürlich viel poetischer verpackt. Sein Gedicht klingt wie ein melancholischer Liebesbrief an die Jungfrau Maria – mit Rosen, Sehnsucht und einem Hauch von Weihnachtsschnee. Ich hingegen habe versucht, das Ganze bildlich darzustellen.

Schau, unsre Tage sind so eng

Schau, unsre Tage sind so eng
und bang das Nachtgemach;
wir langen alle ungelenk
Den roten Rosen nach.

Du musst uns milde sein, Marie,
wir blühn aus deinem Blut,
und du allein kannst wissen, wie
so weh die Sehnsucht thut;

Du hast ja dieses Mädchenweh
der Seele selbst erkannt:
sie fühlt sich an wie Weihnachtsschnee,
und steht doch ganz in Brand…

Dieser Text ist gemeinfrei.

Das bearbeitete Gemälde im Hintergrund des Titelbildes, „Winter in Auscha“ von Emil Orlik lieferte mir eine passende Gelegenheit, die Grußkarte in eine winterliche Landschaft zu packen. Weil nichts besser zur Empfängnis passt als ein frostiger tschechischer Winter, oder? Oder weil: Rainer Maria Rilke in den 1890er Jahre den deutschtschechischen Maler und Grafiker Emil Orlik kennenlernte.
Also, sei milde mit uns – und mit meiner künstlerischen Freiheit. Denn manchmal ist die größte Empfängnis nicht die göttliche, sondern die Erkenntnis, dass man auch mit Nadel und Faden etwas Wahres darstellen kann.

Angaben zur Grußkarte:
Designerkarte, Designer Karte, Grafik, Kunst, Fadenbild, Fadengrafik, kunstvoll, exklusive Faltkarte, Faltkarte, Grußkarte, Fadentechnik, moderne Kunst, Design, Ei, Surrealismus, Polarlicht, blaue Blume,Titel: Empfängnis
Größe (B x H): ca. 10,5 x 14,8 cm
Ausstattung: Faltkarte: innen mit Leinenpapier (Möglichkeit eines persönlichen Grußes und ähnliches), weißer Briefumschlag aus Leinenpapier
1. Auflage: Juli 2025

Materialverwendung und Herkunft (sofern ermittelbar):
Fäden allesamt aus 100% Seide (vermutlich Made in Germany), Karte aus 200g/m2 (Made in Austria), 


Quelle:
Rainer Maria Rilke: Mir zur Feier. Gebete der Mädchen zu Maria, Verlegt bei Georg Heinrich Meyer – Berlin 1899, S. 78