Wann

Dezember 4, 2025    
Ganztägig

Veranstaltungstyp

Rainer Maria Rilkes Eltern waren ein echtes Kontrastprogramm – fast wie ein Opernabend mit anschließendem Boxkampf.
Seine Mutter, Sophia Entz (1851–1931), kam aus großbürgerlichem Hause und hatte das Temperament einer leidenschaftlichen Operndiva. Kunstliebend, religiös eifrig (manche würden sagen: ein bisschen zu eifrig), dabei nicht gerade großzügig im Denken – sie war die Sorte Mensch, die beim Anblick einer schief hängenden Ikone sofort zur Leiter griff und sie geraderückte.
Sein Vater, Josef Rilke (1838–1906), träumte von einer Karriere beim Militär – vermutlich mit Uniform, Orden und dramatischen Marschmusik-Einlagen. Doch eine Krankheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen landete er bei der böhmischen Eisenbahngesellschaft in der Verwaltung – was seine Frau ungefähr so charmant fand wie kalter Kaffee. Sie rümpfte die Nase, als hätte er statt einer Offiziersuniform einen Fahrkartenentwerter mit nach Hause gebracht.
Und so entstand aus dieser kuriosen Mischung ein Dichter, der später selbst zwischen den Welten wandelte – zwischen Sehnsucht und Struktur.

> Infos zur Grußkarte: Kirschblüten am Ast 


Quelle:
Vgl. Gunter Martens und Annemarie Fost-Martens: Rainer Maria Rilke, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2008, S. 8