Michel Jacques Monet: Geburt im Jahr der Sorgen
Claude Monet erinnerte sich später, dass der Morgen des 17. März 1878 wie ein dünner Schleier über Paris lag – ein fahles, fast schüchternes Licht, das sich nicht recht entschließen konnte, ob es den Tag begrüßen oder sich wieder zurückziehen sollte. In diesem Zwielicht kam Michel Jacques Monet zur Welt, der zweite Sohn, ein zarter, warmer Körper inmitten einer Zeit, die von Sorgen durchzogen war wie ein Stoff, der zu oft gewaschen wurde.
Für Claude war die Geburt ein stiller Triumph gegen die Umstände. Er sah seinen Sohn an und spürte für einen Moment, wie die Last der Schulden, der unbezahlten Rechnungen, der ständigen Angst vor dem nächsten Monat von ihm abfiel. Es war, als hätte das Leben ihm einen kurzen, kostbaren Atemzug geschenkt. Doch dieser Atemzug war von einem anderen begleitet – dem flachen, erschöpften Atem Camilles, die schon vor der Geburt von Krankheit gezeichnet war. Ihr Lächeln war weich, aber brüchig, wie ein Lichtreflex auf Wasser, der jederzeit verschwinden konnte.
Camille hielt Michel im Arm und wusste, dass Freude und Schmerz sich in ihr nicht mehr trennen ließen. Sie liebte dieses Kind mit einer Intensität, die fast weh tat, weil sie spürte, wie wenig Kraft ihr blieb. In ihren Augen lag ein stilles Wissen: dass das Leben manchmal zwei Wahrheiten gleichzeitig trägt – die unendliche Zärtlichkeit eines Neuanfangs und die unaufhaltsame Müdigkeit eines Körpers, der sich verabschiedet. Claude sah dieses Wissen in ihr, und es schnitt ihm ins Herz. Er wollte sich freuen, wollte jubeln, wollte die Welt anhalten und sagen: „Schaut, mein Sohn ist geboren.“ Doch die Krankheit Camilles stand wie ein Schatten hinter jedem seiner Gedanken.

Michel Monet, gemalt von Claude Monet (1878, Gemeinfrei)
So lagen Freude und Trauer dicht beieinander, fast ununterscheidbar, wie zwei Farben, die ineinander übergehen, bis man nicht mehr sagen kann, wo die eine endet und die andere beginnt. Michel war ein Versprechen, Camille ein Abschied, und Claude stand dazwischen – ein Mann, der gleichzeitig Vater und Wächter, Liebender und Verlierender war.
Und vielleicht ist es genau dieses Ineinanderfließen, das sich später in der Grußkarte „Weißdorn“ wiederfindet: der rosa Weißdorn, zart und verletzlich, eingefasst von einem goldenen Rand wie ein Jugendstilfenster, das die Welt in weiches Licht taucht. Darunter die Pflanze mit den blauen, glitzernden Blüten, die wie Wasser wirken – als würden sie die Tränen, die Hoffnung und das Fließen des Lebens zugleich tragen. Der goldene Stängel, der sie hält, erinnert an jene feine Linie, auf der Claude und Camille damals standen: ein schmaler, schimmernder Grat zwischen Zerbrechlichkeit und Schönheit, zwischen dem, was vergeht, und dem, was bleibt.
So wird die Karte zu einem stillen Echo jener Tage – ein Bild, das zeigt, wie nah Freude und Krankheit beieinander liegen können, und wie selbst im Schmerz ein leiser Glanz wohnen kann, der das Leben weiterträgt.
Weiteres zum 17. März:
1878: Der zweite Sohn Michel von Claude Monet wurde geboren (vgl. „Candle in the snow“ und „Energieleuchter“.