Es gibt bei Rainer Maria Rilke sehr irritierende Gedichte wie beispielweise „Ich gehe unter rothen Zweigen“. Ich frage mich, ob das lyrische Ich sich über die Schwangerschaft seiner Angebeteten freut oder nicht.
Romantik? Klar. Aber auch ein bisschen Chaos. Denn wenn man den deutschen Dichter so liest, hat man das Gefühl, er war der Typ Mann, der beim Wort „Schwangerschaft“ erst mal einen metaphorischen Waldspaziergang braucht, um sich emotional zu sortieren. Und währenddessen brodelt die Gerüchteküche: Hat er etwa schon vor Clara Westhoff ein Kind gezeugt? Oder war das alles nur dichterische Fantasie mit einem Schuss Spekulatius?
Ich gehe unter rothen Zweigen
Ich gehe unter rothen Zweigen
Und suche einen späten Strauss.
Weiss nicht vor Glück wo ein und aus,
Mir ist so neu, mir ist so eigen;
Mein Lieb ist müd und ist zuhaus.
Jetzt ist mein Mädel erst recht eitel
Seit sich sein Mieder weiter zieht,
Und seit ein Wunder ihm geschieht:
Bald hat es breite braune Scheitel
Und sitzt und singt ein Wiegenlied.
Dieser Text ist gemeinfrei.
Man könnte fast meinen, Rainer Maria Rilke war der literarische Vorläufer aller Männer, die beim ersten Babybauch-Foto auf Instagram kommentieren: „Wow, du strahlst! Ist das… äh… unser Kind?“ Und irgendwo im Hintergrund malt Heinrich Vogeler ganz entspannt seinen „Sommergarten“, wahrscheinlich froh, dass er nur mit Farben und nicht mit Vaterschaftsfragen hantieren muss. Sein „Sommergarten“ lieferte mir übrigens die Inspiration für den Hintergrund des Titelbildes.
Kurz gesagt: Wenn Liebe ein Gedicht ist, dann ist sie bei Rainer Maria Rilke manchmal eher ein Rätsel mit Fußnoten. Aber hey – wenigstens gibt’s Spekulatius dazu.
Angaben zur Grußkarte:
Titel: Arbre Rose
Größe (B x H): ca. 10,5 x 14,8 cm
Ausstattung: Faltkarte: innen mit Leinenpapier (Möglichkeit eines persönlichen Grußes und ähnliches), weißer Briefumschlag aus Leinenpapier
Auflage: August 2024
Materialverwendung und Herkunft (sofern ermittelbar):
Fäden allesamt aus 100% Seide (vermutlich Made in Germany), Karte aus 200g/m2 (Made in Austria), Notenschlüssel (Made in China),
Quelle:
Rainer Maria Rilke: Advent, P. Friesenhahn Verlag – Leipzig 1898, S. 82