Spontaner Funke

Die andere Walpurgisnacht

Es gibt Tage, an denen ein Wort im Radio hängen bleibt wie ein Funke, der etwas in einem entzündet. Heute war es die Walpurgisnacht. Mehrmals tauchte sie in den Nachrichten auf – mal als Hinweis auf Veranstaltungen, mal als kulturhistorische Randnotiz. Und plötzlich spürte ich: Diese Nacht möchte ich in einer Grußkarte festhalten. Aber nicht so, wie man sie üblicherweise kennt.

Denn die Walpurgisnacht ist längst nicht nur das Reich der Hexen, Feuer und Mythen. Sie trägt auch den Namen einer Heiligen: Walburga, einer englischen Missionarin des 8. Jahrhunderts, die später in Deutschland wirkte und deren Gedenktag auf den 1. Mai fällt. Ihr Name wurde über die Jahrhunderte mit Schutz, Heilung und Licht verbunden – und genau diese stille, fast vergessene Seite wollte ich in meiner Karte sichtbar machen.

Dass wir heute überhaupt von „Walpurgisnacht“ sprechen, verdanken wir nicht zuletzt Johann Wolfgang von Goethe. In seinem „Faust“ hat er diese Nacht literarisch aufgeladen, ihr eine Bühne gegeben, auf der sich das Wilde, das Ungezähmte und das Übersinnliche entfalten durfte. Goethe hat damit ein kulturelles Echo geschaffen, das bis heute nachhallt – und das Bild der Walpurgisnacht entscheidend geprägt.

Meine Grußkarte „Walpurgisnacht“ verbindet deshalb zwei Ebenen: die mystische, die wir alle kennen – und die vergessene, die leise an die Heilige erinnert, deren Name diese Nacht trägt. Die Blüte, die sich in einen Hexenhut verwandelt, ist für mich ein Symbol für diese Doppelbewegung: das Natürliche und das Magische, das Irdische und das Spirituelle, das Sanfte und das Unbändige.

Vielleicht ist es genau diese Mischung, die die Walpurgisnacht so faszinierend macht. Sie ist ein Übergang – zwischen Winter und Frühling, Dunkelheit und Licht, Altem und Neuem. Und sie lädt uns ein, beides zu sehen: das Feuer und die Stille dahinter.

Follow by Email