In Erinnerung an meinen Onkel

April 13, 2026
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Es gibt Momente im Leben, in denen Worte nicht ausreichen. Ende Februar 2026 ist mein Onkel gestorben – ein Mensch, der seinen Weg mit einer besonderen Klarheit gegangen ist. Er war Mönch, später auch Abt im Benediktinerstift Admont, und sein Leben war geprägt von Stille, Disziplin, Glauben und einer tiefen Verbundenheit zur Natur. Als ich die Nachricht erhielt, suchte ich nach einer Form, ihm einen würdevollen Gruß zu widmen. Etwas, das seine Welt widerspiegelt, ohne sie zu erklären. Etwas, das leise spricht.

So entstand die Grußkarte „Aufbruch der Blüte“.

Die Blüte, die sich wie ein Heißluftballon in den Himmel erhebt, wurde für mich zu einem Bild des Übergangs. Nicht als Flucht, nicht als Ende, sondern als Weitergehen. In der benediktinischen Tradition ist der Tod kein Abbruch, sondern ein Hinübergleiten in eine andere Wirklichkeit. Die Blüte öffnet sich – und hebt ab. Sie lässt los, aber sie verliert nichts von ihrer Form. Dieses Motiv fühlte sich für mich richtig an: ein stiller Aufbruch, getragen von Vertrauen.

Der Hintergrund zeigt eine Berglandschaft. Die Berge waren seine Leidenschaft. Er kannte ihre Wege, ihre Stille, ihre Gefahren und ihre Schönheit. Für ihn waren sie mehr als Natur – sie waren ein Ort der Freiheit und der Nähe zu Gott. Ich kann mir gut vorstellen, wie er manchmal mit einem Drachen über die Gipfel geflogen ist, einfach weil es möglich war, weil es leicht war, weil es ihm entsprach. Diese Vorstellung hat sich in das Motiv eingeschrieben: ein Mensch, der die Höhe liebte, der die Weite suchte und der im Aufstieg immer auch etwas Geistiges fand.

Das Titelbild macht noch eines sichtbar, nicht nur, dass mein Onkel die Berge liebte, sondern auch die Bergseen. Ich kann mich noch gut an eine Wanderung erinnern, als er mich auf einen ganz besonderen Bergsee aufmerksam machte, ein See, der zuweilen grün wird. Als er mir diesen See zeigte, war ich vor allem von der Klarheit des Wassers fasziniert, am liebsten wäre ich hineingegangen, doch aus guten Gründen hielt mich mein Onkel davon ab.

 

Aufbruch der Blüte“ verbindet all das: Glauben, Natur, Freiheit, Übergang. Es ist keine Trauerkarte im klassischen Sinn. Es ist ein Bild für das Weitergehen, für das Öffnen, für das Loslassen ohne Verlust. Eine kleine Hommage an einen Menschen, der seinen Weg gefunden hat – im Leben wie im Sterben.

Vielleicht ist es genau das, was eine Grußkarte manchmal leisten kann: Sie hält einen Moment fest, der größer ist als Worte. Sie erzählt eine Geschichte, ohne sie auszuschmücken. Und sie erinnert daran, dass jeder Abschied auch ein Aufbruch ist.