Die Fremde und der Engel

Juli 28, 2026
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Ich saß im Garten, an meinem stillen Platz hinter dem Haus, dort, wo mich niemand sehen kann. Es war einer dieser Momente, in denen ich mich ganz in meine Rahmenerzählung versenke – ein kleiner Ort, überlaufen von Besuchern, und eine Bewohnerin, die einen magischen Kreis zieht, um die Gemeinschaft zu schützen. Ich war gerade dabei, diese Szene zu schreiben, als ich mich plötzlich erschrak.
Eine fremde Frau stand vor mir.

Sie konnte mich unmöglich gesehen haben. Der Garten liegt weit abseits der Straße, verborgen hinter der Häuserfront. Man muss das Haus umrunden, um überhaupt zu entdecken, dass dort jemand sitzt. Und doch stand sie da, freundlich, entschuldigend, überrascht über mein Erschrecken.

Sie fragte nach einer Hausnummer. Ich konnte ihr nicht helfen. Erst als sie den Nachnamen nannte, wusste ich, wohin sie musste. Ein kurzer Moment, ein Austausch, ein Wegweiser – und dann war sie wieder verschwunden.

Als ich mich wieder meinem Text zuwandte, trat in meiner Geschichte ein Engel an den magischen Kreis. Er überschritt ihn nicht. Er wartete, bis eine Dorfbewohnerin ihn einlud. Erst dann trat er ein.
Ich musste lächeln.

Denn die fremde Frau und dieser Engel hatten dieselbe Haltung: ein Kommen ohne Anspruch, ein Berühren ohne Verletzen, ein Respektieren der Grenze, die nicht sichtbar, aber spürbar ist. Beide tauchten auf, als wäre es selbstverständlich, und beide gingen wieder, ohne etwas zu nehmen.

Es war so, als hätte ich literarisch etwas vorweggenommen, ohne es zu wissen. Als hätte ich die Begegnung schon in mir getragen, bevor sie geschah. Nicht als Vorahnung, nicht als Magie – sondern als Resonanz zwischen Innen und Außen.
Und jetzt, später, weiß ich: Aus dieser Begegnung kann eine Geschichte entstehen. Vielleicht sogar mehr als eine.