Am liebsten möchte ich von Anfang an wissen, wohin eine Unternehmung mich führen wird. Der Gedanke, mich vollständig dem Fluss des Lebens hinzugeben wie das Boot auf der Grußkarte, klingt verlockend und zugleich beunruhigend. Mir fehlt nicht nur der Mut, sondern es macht mir auch Angst, mich ohne ein klares Ziel treiben zu lassen. Es gibt Momente, in denen ich das gut kann — im Urlaub etwa, wenn die Tage sich öffnen, wie stille Buchseiten und ich mich ohne Widerstand hineinfallen lassen kann. Doch im Alltag mag ich dieses ziellose Gleiten kaum; es fühlt sich an, als würde ich die Orientierung verlieren.
Manchmal stehe ich in einem Sturm, besonders dann, wenn ich die Einzige bin, die eine bestimmte Ansicht vertritt, die andere nicht teilen können. Früher habe ich mich in solchen Situationen oft gegen die Gruppe gestellt, als müsste ich meine Position verteidigen wie ein kleines Boot gegen hohe Wellen. Doch ich lerne immer besser, mit dem Wind zu segeln statt gegen ihn. Wenn ich anderen Angebote mache, die sie nicht übernehmen müssen, öffnet sich etwas — eine Art gemeinsamer Raum, in dem ich viel eher ein Ziel erreiche, als wenn ich mich verhärte und dagegenhalte.
Aber was wäre, wenn ich das Ziel nicht als geografischen Ort begreife, sondern als eine innere Haltung? Diese Frage ist für mich nicht leicht zu beantworten. Im Kontakt mit Menschen würde das bedeuten, einen Teil meiner Kontrolle abzugeben und ihnen Vertrauen zu schenken — und genau das fällt mir schwer. In meinem kreativen Prozess hingegen gelingt es mir mühelos: Wenn ich ein Bild gestalte, kann ich mich meiner Inspiration hingeben, mich führen lassen, und gerade dann entstehen Arbeiten, die ich interessant finde und oft als ästhetisch schön empfinde.
Beim Gestalten kann ich Kontrolle ablegen, weil ich jederzeit eingreifen kann: Ich kann ein Bild weiterführen, ihm ein Ziel geben, oder es verwerfen, wenn es mir nicht gefällt. Bei Menschen ist das anders — ich kann und will sie nicht „entsorgen“. Und doch gibt es Situationen, in denen ich die Kontrolle abgeben kann: dann, wenn ich mich sicher fühle, wenn ich weiß, dass meine Mitmenschen es wohlwollend mit mir meinen. Das hängt wiederum stark von meiner inneren Verfassung ab. Wenn ich in mir ruhe, kann ich Vertrauen zulassen; wenn ich mir selbst kaum über den Weg traue, fällt es mir schwer, mich zu öffnen.



